Wie erklärt sich die rasante Ausbreitung einiger Vogelarten?

Bis vor knapp 20 Jahren gab es im Stadtgebiet von Berlin überhaupt keine Graureiher – jedenfalls hatte ich bis dahin nie einen zu Gesicht bekommen. Den ersten habe ich Anfang der Neunziger an einem Parkgewässer erspäht, doch blieb das zunächst eine Ausnahme. Seit einigen Jahren stand auch in meinem Lieblingspark, dem Schlosspark Charlottenburg regelmäßig ein Graureiher am Karpfenteich. Als ich gestern nach längerer Zeit mal wieder dort spazieren ging, habe ich jedoch nicht weniger als 5(!) Reiher gezählt, die im Abstand von teilweise kaum 50 m am Wasser auf Beute lauerten.
Ähnliches gilt für den Kleiber. Diesen Vogel (unzweideutig zu erkennen, da er als einzige einheimische Vogelart kopfüber, besser gesagt kopfunter, an Bäumen herunterlaufen kann), kannte ich lange Zeit nur aus einem vogelkundlichen Buch meines Großvaters. Vor vielleicht 12 Jahren habe ich erstmals einen Kleiber im Schlosspark gesehen, und inzwischen ist er dort etwa ebenso häufig anzutreffen wie Kohlmeisen.
Tiere, speziell Vögel, werden ja allgemein in „Kulturflüchter“ und „Kulturfolger“ unterteilt. Doch diese Kategorisierung scheint mir hier nicht zuzutreffen, da diese Vögel ja nicht wegen des durch die Menschen anfallenden Futters in die Stadt gekommen, sondern ihrer herkömmlichen Ernährungsweise treu geblieben sind – bloß dass sie es plötzlich nicht mehr nur in einsamen Wäldern und an abgelegenen Seen tun, sondern auch mitten in der Großstadt. Offenbar haben sie also in sehr kurzer Zeit ihre Scheu vor den Menschen weitgehend abgelegt. Was meint ihr, was diesen Wandel bewirkt haben könnte?
@SewerRat: Das scheint mir keine hinreichende Erklärung zu sein, denn in den letzten 10-20 Jahren – also dem Zeitraum, von dem ich spreche – hat sich der Mensch in Mitteleuropa kaum bis gar nicht weiter ausgebreitet. Wenn es so wäre, wie du schreibst, dann hätte diese Zuwanderung von Vögeln schon vor mindestens 50 oder 100 Jahren stattfinden müssen, nicht erst vor kurzem und mit so rasender Geschwindigkeit.
@Luken: Deine Antwort scheint der Sache schon näher zu kommen. Bleibt aber immer noch die Frage, wieso es so lange gedauert hat, nämlich etwa 100 Jahre (in den letzten 100 Jahren ist Berlin nicht mehr wesentlich gewachsen).
@laichkarpfen: Das ist natürlich auch ein Erklärungsansatz, bloß hier gilt dasselbe: Die dürften vor 50 oder 100 Jahren auch schon gefehlt haben. (Abgesehen davon treiben sich in meiner Gegend in letzter Zeit auch verstärkt Füchse rum, u.a. auch im Schlosspark. Das war vor 20 Jahren auch noch nicht der Fall.)
Ach ja, falls ihr auch in einer Großstadt wohnt: Habt ihr bei euch Ähnliches beobachtet? Nicht unbedingt Graureiher und Kleiber, vielleicht irgendeine andere Tierart?
@je.baumeister: Finde ich einen sehr interessanten Ansatz. Vielleicht lassen sich hier wirklich keine allgemeinen Schlüsse ziehen, sondern bei jeder Vogelart spielen andere Faktoren eine Rolle. Was dein Argument von der Wasserqualität angeht, habe ich allerdings Zweifel, denn der Karpfenteich und die anliegenden Kanäle bei uns im Schlosspark sind so trübe wie eh und je. Da es aber nahezu stehendes Wasser und am Rande sehr flach ist, kann man trotzdem bis auf den Grund schauen.

@Andrea S: Das könnte in der Tat ein wesentlicher Grund sein!

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